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Rezension:Auf Weinreise Pfalz: Mit vielen Winzer-Tipps zu Essen & Trinken, Übernachten, Einkaufen (Broschiert)

Frank Kämmer führt Sie in diesem Buch in die Pfalz und weist auf die besten Winzer dieses Weinanbaugebietes hin. Er gibt Ihnen Tipps, wo man gut essen und trinken kann, nennt schöne Übernachtungsmöglichkeiten und verrät Ihnen gute Einkaufsquellen für regionale, kulinarische Produkte.

Obgleich ich mich vielmals in der Pfalz aufgehalten habe und glaubte diese zu kennen, hat Kämmer mich eines anderen belehrt. Wieder mal ist mir klar geworden, dass Sokrates mit seinem Satz "Ich weiß, dass ich nichts weiß" genau ins Schwarze getroffen hat.

Kämmer beschreibt in knappen Worten Pfälzer Sehenswürdigkeiten, verzettelt sich jedoch nicht in diesen Dingen, sondern kommt schnell zur Sache, die in diesem Fall Wein heißt. Gefreut habe ich mich, dass der Autor Lobeshymnen auf das Weingut Knipser angestimmt hat. Diese möchte ich gerne mitsingen, weil die dortigen Weine es wirklich verdient haben besonders hervorgehoben zu werden. Dazu besitzt Herr Knipser einen geradezu umwerfenden Charme, dem man sich in seiner Probierstube auf keinen Fall entziehen möchte.


Es lohnt Freinsheim aufzusuchen, auch da stimme ich Kämmer zu. Wenn man Gelegenheit hat, sollte man dort bei "Lutter" übernachten und zuvor sein Restaurant goutieren. Man speist hier wirklich exzellent, seine Weinekarte ist nicht regional gebunden, obgleich Knipsers Rotweine zu dunklem Fleisch keine Wünsche offenlassen. Die von Kämmer beschriebenen drei herausragenden Restaurants in der Pfalz sind mir nicht unbekannt, auch deren Übernachtungsmöglichkeiten habe ich getestet und würde, wenn ich zwischen diesen dreien zu wählen hätte, stets die "Krone" in Herxheim-Hayna präferieren, wohl wissend, dass die Entscheidung alles andere als einfach ist.


Wie immer ist alles subjektiv. Vielleicht war es ja nur das Joggen durch die Tabakfelder Ende Juli, das mir den letzten Kick in der Entscheidungsfindung gebracht hat, wer weiß.


Verschaffen Sie sich also bitte selbst ein Urteil. Dass es in Bad Dürkheim noch ein Römisches Weingut gibt, ist ebenso bemerkenswert, wie die Existenz eines römischen Landhauses, die so genannte "Villa Rustica" in Wachenheim. Die Pfalz ist demnach ein sehr altes Kulturland.


Der Weinmacher Dr. Bürklin-Wulf war es nicht alleine, der das kulturelle Niveau der Region nochmals angehoben hat, aber er scheint der Intellektuelle im Hintergrund zu sein, derjenige, der Bewegung in die Sache brachte. Deidesheim und Forst sind ein Muss, wenn man die Pfalz bereist. Kämmers Tipp, das Deidesheimer Museum für Weinkultur aufzusuchen, halte ich für notwendig, denn was man dort zu sehen bekommt, ist ungemein erhellend, wenn man themenbezogende historische Hintergründe ausloten möchte.


Im "Gasthaus zur Kanne" am gleichen Ort wird delikat gekocht und man kann dort gute Weine, so etwa das "Wachenheimer Gerümpel" von Dr.Bürklin-Wulf, er ist Betreiber dieses Restaurants, genießen. "Die Kanne" ist eines von Kämmers Lieblingslokalen und das nicht ohne Grund. Alle guten Winzer von Deidesheim sind im Buch aufgelistet. Ich hüte mich Ihnen jetzt einzelne zu nennen. Selektion wäre in diesem Fall immer ein bisschen ungerecht.


Speyer und Neustadt sollte man besuchen. Den Dom von Speyer muss man besichtigen und auch den 1128 angelegten Judenhof. Das Hambacher Schloss und die Emokratiebewegung im Vormärz darf man nicht vergessen, bei aller Liebe zum Wein.


Dann aber sollte man zu "Bergdolt- Sankt Lambrecht" fahren und seinen Kofferraum schwer beladen. Dieser Winzer macht den besten Weißburgunder in Deutschland. Eindeutig.


Es ist sinnlos an dieser Stelle alle Weinmacher aufzuzählen, die in der Pfalz respektable Tropfen kreieren. Man muss stets aufs Neue probieren, sinnvollerweise mit Hilfe dieses Buches auf Entdeckungsreise gehen, um so sein Urteil immer wieder zu revidieren. Wie in allen Dingen des Lebens sollte auch bei den eigenen Weinimpressionen immer alles im Fluss bleiben.


Das Buch hat mich so neugierig gemacht, dass ich mich jetzt schon auf wärmere Tage freue, um dann vielleicht in Maikammer, Siebeldingen oder an ein drittes vielversprechendes Pfälzer Schnuckelplätzchen zu reisen, um dort über die Worte "in vino veritas" tiefschürfend nachzudenken.


Empfehlenswert.


Rezension:Die 100 besten Weinberge Deutschlands (Gebundene Ausgabe)

Frank Kämmer befasst sich in diesem kleinen, bibliophilen Buch, das - möglicherweise dem "Roten Hang" zu Ehren - in roter Farbe geschrieben worden ist, mit den 100 besten Weinbergen Deutschlands. Der kundige Autor informiert den Leser jeweils über die Bodenbeschaffenheit der einzelen feinen Lagen, über die Hangneigung, die Ausrichtung, die Rebsorten, wie auch die empfehlenswerten Winzer und er berichtet, welche historischen Hintergründe für die jeweilige Namensgebung eine Rolle gespielt haben. Gleich zu Beginn des Buches konstatiert der Weinfachmann allerdings, dass neben der Bodenbeschaffenheit und dem Klima natürlich auch stets der Einfluss des Kellermeisters bei der Veredlung eines guten Rebensaftes nicht hinweggedacht werden darf.
Das Weingesetz von 1930 billigte die Nutzung von rund 30 000 Einzellagen zu. Seit dem neuen Weingesetz von 1971 haben 2658 Einzellagen das Recht auf Etiketten genannt zu werden. Pioniere der Qualitätsverbesserung des deutschen Weines in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts trieben im Verband der Prädikatsweingüter (VDP) nicht nur die Qualitätsverbesserung der Weine voran, sondern auch die allgemeine Sensibilisierung für die Wertschätzung eines vortrefflichen Terroirs.
Nicht alle Rebsorten gedeihen auf einem bestimmten Boden gleich gut. In diesem Buch wird verdeutlicht, wo welcher Wein die optimalsten Bedingungen vorfindet.

Schon Goethe trank Weine aus der Lage "Würzburger Stein". Diese zeichnet sich durch einen kargen, skelettreichen Muschelkalkboden aus, der Rieslinge und Silvaner prächtig gedeihen lässt. Die Erzeuger "Bürgerspital" aber auch "Juliusspital" stehen für gute "Stein-Weine". Ein superber Grauburgunder wächst auf dem Lösslehm-Boden des "Heppenheimer Centgerichtes", dessen Name übrigens auf eine uralte Gerichtsstätte zurückgeht. Empfehlenswert sind auch die Weine der nach Süden ausgerichteten Lage "Traiser Bastei" (Hangneigung bis zu 60%) an der Nahe, so etwa vom Spitzenhersteller Dr. Crusius, dessen Weißweine ich sehr zu schätzen weiß.

Das dortige mediterrane Mikroklima in Verbindung mit dem Porphyrboden bringen ungemein saftige, körperreiche Weine hervor. (Sehr lecker!) Dönnhoffs "Niederhäuser Hermannshöhle" Nahe) konnte bislang von keinem anderen Riesling-Erzeuger dieser Lage auch nur annähernd qualitativ erreicht werden, obgleich alle Traubenstöcke - süd-südwestausgerichtet- auf Grauschieferverwitterung mit Konglomeraten von Sandstein, Porphyr und Lehm gedeihen. Selten habe ich einen solch guten Riesling getrunken, wie von der Lage "Forster Pechstein" (Pfalz). Durch den Basaltboden und die Basaltadern erhält der "Pechstein" eine höchst spezifisch mineralische Note. Kämmer nennt hier sehr gute Erzeuger des "Forster Pechstein", bei denen man auch gleich ein paar Flaschen "Forster Ungeheuer" ordern kann.

Ich selbst mag den "Pechstein" von Reichsrat von Buhl am liebsten. Fünf Spitzlagen nennt Kämmer in Nierstein (Rheinhessen). Schade, dass der "Niersteiner Orbel" - auch eine Grand Cru- Lage, sogar eine vortreffliche! - nicht genannt worden ist. Interessant auch die Information, dass auf dem "Niersteiner Ölberg" die letzten Orleanstöcke standen, einer heute ausgestorbenen Rebsorte, die früher am Rhein eine weite Verbreitung gehabt haben soll.

Die echten Liebfrauenmilchweine kommen von einer relativ kleinen Parzelle (15,38 Hektar), der Lage "Wormser Liebfrauenstift Kirchenstück". Mit dem Wein von dieser Parzelle lässt sich freilich nicht ganz England versorgen, aber die meisten Engländer trinken Liebfrauenmilch.(Weinkenner natürlich ausgenommen!) Offensichtlich haben die schlauen Wormser das Geheimnis der wundersamen Weinvermehrung heimlich gelüftet.

Von den guten badischen Lagen möchte ich bei Kämmer den "Durbacher Schlossberg" hervorheben. Hier sorgt Granitverwitterung für mineralische Noten. Bedauerlich, dass Laible dort keine Reben besitzt! Seine Weine von der Grand Cru - Lage "Plauelrain" stehen den Schloßbergweinen gleichwertig gegenüber.
Die Lage "Ihringer Winkelberg"( Baden) ist nach Süd und nach Südwest ausgerichtet, der Boden eine Vulkanverwitterung. Rieslinge, Grau- und Weißburgunder von dieser Lage sind besonders delikat.
Sachsens bekannteste Lage ist "Schloss Proschwitz". Das Mikroklima des Elbtals sorgt hier für gute Ergebnisse durch Lösslehm auf Granit.

Besprochen werden von Kämmer auch die besten Lagen des Herzogs von Württemberg, die sich wohl durch mineralische Noten auszeichnen, die von der Gipskeuper-Beschaffenheit des Bodens herrüht. Ahr- und Mosellagen, wie etwa "Bernauer Pfarrwingert" und "Wehlener Sonnenuhr" werden im vorliegenden Buch nicht ausgespart auch der "Bacharacher Hahn" von Toni Jost/ Mittelrhein, eine steinige Devonschifferverwitterung, wird zum Thema gemacht. Übrigens haben die armen Erntehelfer am "Bremmer Calmot"/ Mosel mit einer Hangneigung von 214% fertig zu werden. Dieser Extremhang gilt als der steilste Weinberg Europas! Den Spitzenlagen des Rheingaus wird ebenfalls gehuldigt. Unter den Rauenthaler Lagen ist der "Baiken" eine der besten. Steinig-grusiger Phyllit sorgt hier für würzig- fruchtige Noten.

Auf dem "Assmannhäuser Höllenberg" wird seit 1470 Spätburgunder angebaut, den Goethe bereits sehr liebte. Kesslers Höllenberg ist besonders lobenswert. Erwähnen möchte ich die Rheingauer Lage "Schloss Vollrads". Auf Kies, Löss, Lösslehm, im Untergrund Taunusquarzitschiefer wächst hier ein sehr guter Riesling, der seitens des Grafen Matuschka von Greiffenclau qualitativ zum Höhepunkt gebracht wurde.

Der leider zu früh verstorbene Graf hat sich um die Rheingauer Weine sehr verdient gemacht und vielen Studenten an der Uni Mainz im Rahmen seines Wein-Seminars gelehrt, wie man einen guten Tropfen nicht nur auf der Zunge, sondern auch intellektuell erschließt.

Empfehlenswert!