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Rezension: Aus den Reben fließt das Leben.

Dieses Buch wird Weinfreunden gefallen, die nicht nur gerne ein Schöppchen trinken, sondern auch mit Vergnügen Geschichten, Gedichte, Trinklieder, Sentenzen und Sprichwörter lesen. Dieses Buch enthält eine Fülle solcher Texte aus unterschiedlichen Jahrhunderten von namhaften Schriftstellern und Lyrikern.

Trinklieder, wie sie einst für die Stammtische des Vormärz von Körner und Fallersleben gedichtet wurden, liest man ebenso wie die Weinhuldigungs-Verse romantischer Dichter. Auch Johann Wolfgang von Goethes "Ergo bibamus!" wurde nicht vergessen. Ein schöner Text, ohne jegliches nervige Heimatidyllengesums.

Gefallen hat mir, dass man ein paar Seiten aus Paul Tordays "Bordeaux" abgedruckt hat. Den Roman habe ich gelesen und nicht grundlos mit 5 Sternen bewertet. Gut, dass man Grimmelshausen nicht ausgespaart und auch Lichtenberg die Ehre erwiesen hat. Beide haben es verdient, dass man ihrer gedenkt.

Zwei Sprichwörter unbekannter Herkunft finde ich amüsant:
Also Obacht, meine Herren!

"Drei Dinge erhalten des Leibes Räder:
Venus, Wein und Bäder."

oder auch :

"Fängt der Bart an, weiß zu sein.
Lass`die Frau und trinke Wein."

Johann Wilhelm Ludwig Gleim dichtete:
Der Friedensstifter
Wein und Liebe
Bändigt Helden;
Wein und Liebe
macht Verträge
Wein und Liebe
Stiftet Frieden
Drum, o Deutschland,
Willst du Frieden?
Wein und Liebe
Kann ihn stiften.

So, nun wissen sie es. Viel Spaß beim Lesen des Buches, bei der Liebe und beim Weintrinken.:-))


Rezension:Stuart Pigotts Weinreisen: Schweiz: Schweiz und Bodensee. Weine - Winzer - Weinlandschaften (Gebundene Ausgabe)

Die Autoren Chandra Kurz und Ursula Heinzelmann stellen in diesem Buch Weine, Winzer und Weinlandschaften in der Schweiz und am Bodensee vor. Anhand von beigefügten Karten erhält man eine konkrete Vorstellung davon, wo sich die beschriebenen Punkte im Einzelnen befinden.

Thematisiert werden die Weine des Bodensees, von Graubünden und Liechtenstein, von den Schweizer Seen, der nördlichen Schweiz und aus dem Wallis. Man lernt eine Vielzahl von Winzern näher kennen und erfährt, worauf diese beim Weinmachen jeweils besonderen Wert legen. Die unterschiedlichen örtlichen Rebsorten werden vorgestellt und es werden immer wieder Weine hervorgehoben, die auffallend lecker schmecken. So wird in diesem Zusammenhang der "Weissburgunder Trocken Hohenwieler Olgaberg" vom Staatsweingut Meersburg genannt und wie folgt beschrieben:
"Vulkanische Kraft, Höhenluft und südliches Licht, das bedeutet Zartheit, Ausdruck und Schmelz zugleich, und Harald Gutemann vom Staatsweingut versteht dies bestens in die Flasche zu begleiten." Ich spüre diesen Wein förmlich auf der Zunge und denke, dass er sich als Begleitung zu "Züricher Geschnetzeltem" gut eignet.

Man erhält zu jeder Region Tipps zu Orten und Ereignissen, die lohnenswert erscheinen, näher unter die Lupe genommen zu werden. Empfohlen wird u.a., von Meersburg aus zum Barock-Juwel Birnau zu wandern, eine Kirche, die zu den außergewöhnlichen Barockschöpfungen Süddeutschlands gehört oder das Schloss von Rapperswil zu besuchen, eines der wichtigsten Baudenkmäler am Züricher See. Diese 800 Jahre alte Burganlage steht für die Freiheit und Anerkennung aller Völker.

Es werden die Adressen von Weingütern, aber auch Anschriften von Hotels und Restaurants genannt. Alle Betriebe werden kurz skizziert, so dass man eine erste Vorstellung davon erhält, was man zu erwarten hat.

Einige Rebsorten werden ausführlich beschrieben, nicht zuletzt auch der "Pinot Noir". Natürlich wird in diesem Zusammenhang auch auf das Winzerehepaar Gantenbein hingewiesen, das Weine nach dem Vorbild großer Vosne-Romanée-Abfüllungen produziert und in Sachen Qualität keine Kompromisse macht. Im Vergleich zu anderen Pinots Noirs der Graubündener Region zeigen die Abfüllungen der Gantenbeins übrigens feinere und komplexere Gerbstoffe sowie einen Charakter, der mit jedem Jahr Lagerung weiter aufzublühen scheint.

Für Weinliebhaber eine erfreuliche Bereicherung.

Rezension: Wein

Im Laufe der vergangenen Jahre habe ich gut drei Dutzend Bücher über Wein gelesen. Andre Domines Nachschlagwerk wurde nicht umsonst in Frankreich als das beste Weinbuch ausgezeichnet. Ich schließe mich der Beurteilung der Franzosen ohne Vorbehalte an.

Beginnend mit der Geschichte des Weines, wird in der Folge der Umgang mit Wein erläutert. Muß ein Wein zwingend dekantiert werden? Wie alt sollte er sein? Wie wird er serviert? Über die Farben des Weines, über Blume und Bukett, und die richtigen Gläser kann man sich hier informieren und natürlich auch über die korrekte Lagerung.


Die Weinreben und ihre Sorten werden umfangreich beleuchtet und man befasst sich ausgiebig mit dem so genannten Terroir. Auch die Bewirtschaftung und die Rebkrankheiten werden thematisiert, um schließlich irgendwann die Grundlagen der Weinbereitung detailliert zu erläutern. In diesem Zusammenhang bekommt man alles über Fässer erklärt und weiß hinterher genau wie gutes Fasssholz beschaffen sein muß.


Ab Seite 160 bis Seite 885 erfahren sie alles über die Weine dieser Welt. Die besten Franzosen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Griechen, Österreicher, Schweizer, Osteuropäer schließlich die Deutschen werden ebenso präsentiert, wie Südafrikaner, Australier, Südamerikaner u.s.w.u.s.f.........


Da ich gerne Rioja trinke, habe ich mit großer Neugierde die Geschichte des Riojas gelesen und mich über gute Erzeuger informieren lassen, das gleiche funktioniert bei allen anderen Weinregionen und Weinen auch. Jetzt ein schöner Bandol oder vielleicht besser noch einen kühlen, leckeren Veltliner aus dem Kremstal! Wunderbar.


Wenn man mich auf einer einsamen Insel aussetzen würde, (gäbe es einen Grund? Hoffentlich nicht) und ich mich auf zehn Bücher beschränken müsste, wäre dieses Buch ganz gewiß auf meiner Wunschliste.


Dass man sogar in Indien und China Wein anbaut, wäre mir zuvor nie in den Sinn gekommen.


Hinterher weiß man halt mehr.

Rezension:Wein weit weg: Expeditionen von Norwegen über den Kaukasus nach China (Gebundene Ausgabe)

Der weltweit bekannte Weinautor Stuart Pigott untersucht in seinem neuen Buch "Wein weit weg", ob durch die Erderwärmung neue Weingebiete im Entstehen sind. Deshalb hat er sich auf weite Reisen begeben, um vor Ort Weine zu entdecken, die früher nur in den klassischen Weinanbaugebieten in Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien zu finden waren.

So war er beispielsweise in Norwegen und Schweden, um herauszufinden ob Terroir und klimatische Bedingungen es zulassen Weine zu produzieren, die man beispielweise aus dem Elsass und der Pfalz kennt. Tatsächlich haben die klimatischen Veränderungen dazu beigetragen, dass man mittlerweile Dänemark, Norwegen und Schweden zu den Wein produzierenden Ländern zählen muss. Schon machen sich deutsche Winzer auf den Weg, um dort Weinbau zu betreiben.

Des Weiteren ist Pigott auch nach Japan und China gereist, um dort ebenfalls Erfahrungen in punkto Weinanbau anzustellen, aber nicht nur der Wein aus Reben hat ihn interessiert, sondern seine Neugierde bezog sich auch auf "Sake", den legendären, japanischen Reiswein. Hierbei wollte er wissen wie Sake erzeugt wird und wie groß die Bandbreite der Qualität dieses japanischen Nationalgetränkes ist.

In China vermutet Pigott einen neuen überdimensionalen Weinmarkt, der sich aufgrund der rasant steigenden Mittelschicht zu einem der größten Verbrauchermärkte zu entwickeln beginnt. Wo heute noch die klassischen französischen Bordeaux- und Burgunderweine als das Nonplusultra bevorzugt werden, entwickeln sich mit neuen heimischen Rebsorten neue Qualitätsweine, die bald den Vergleich mit europäischen Nobelprodukten nicht mehr scheuen müssen.

Auch in den nordamerikanischen Staaten der USA fängt der Weinanbau an sich zu etablieren. Waren über Jahrzehnte nur kalifornische Weine Spitzenprodukte, die weltweit Absatz gefunden haben, so entdeckt man mittlerweile auch neue Anbaugebiete wie etwa in Michigan.

Weitere Reisen führten den unorthodoxen Weinjournalisten in die Staaten der ehemaligen UDSSR, um nach deren Zusammenbruch zu ergründen, wie sich dieser große Weinmarkt entwickelt hat. In Georgien, wo seit Jahrhunderten bereits Wein angebaut worden ist und dessen Weinproduktion zur Zeit der UDSSR komplett in den Binnenmark floss, werden heute durch den Importboykott Russlands neue, kommerzielle Strategien notwendig, um die riesenhafte Produktion auf dem Weltmarkt abzusetzen. Dabei ist es zwangsläufig notwendig auf Weltmarktniveau zu produzieren.

All dieses hat Pigott in seinem Buch hervorragend recherchiert und keine Strapazen gescheut sich mit befreundeten Weinexperten weltweit kundig zu machen.

Dieses spannend geschriebene Buch ist ein Muss für jeden interessierten Weinliebhaber, der weltweit die Produktion von neuen Weinen im Auge haben möchte.